Nachhaltig bauen – Trend oder notwendige Pflicht?

Nachhaltigkeit im Bereich Wohnen beschäftigt uns alle. Aber auch im Bereich Bauen ist das Thema angekommen. Der Bausektor gehört zu den Bereichen, der am meisten Ressourcen erfordert. Er belastet die Umwelt stark und trägt leider viel zur Umweltverschmutzung bei. Wer also nachhaltig bauen will, muss nicht nur den Energiebedarf eines Gebäudes berücksichtigen, sondern schon in der Planungsphase vor dem Bau eines Hauses einiges beachten.


Laut Wikipedia versteht man unter «Nachhaltigem Bauen» einen Planungs- und Bauausführungsprozess und eine Nutzungsweise, die auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind; d. h. auf Bewahrung des Ökosystems und der Umwelt, auf den Nutzen für Mensch und Gesellschaft und auf Optimierung und Steigerung der ökonomischen Potenziale eines Gebäudes.


Die steigenden Energiepreise, die fortschrittliche Baugesetzgebung und das weiter zunehmende Umweltbewusstsein der Schweizer lassen Gebäudestandards, die den Energieverbrauch massiv reduzieren, immer wichtiger werden. Dies zeigt auch eine weitere Kennzahl: Von 1975 bis 2015 reduzierte sich der Wärmebedarf eines neugebauten Wohnhauses für Heizung und Warmwasser im Durchschnitt um 75 Prozent. Mit dem sinkenden Energiebedarf von Neubauten rücken jedoch nun andere Auswirkungen, die Bauen auf die Umwelt hat, in den Vordergrund.




Die graue Energie in Baustoffen


Die sogenannte graue Energie, bezeichnet die Energiemenge, die für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines Produktes – oder eben eines Gebäudes – aufgewendet werden muss. Sie ist also die in Gebäuden gebündelte Energie, die für Bau, Herstellung und Transport aufgewendet wurde. Vom Fundament bis zu dem Dachziegel benötigt jedes Bauteil eine gewisse Menge Energie für die Herstellung und den Transport. Einige basieren auf endlichen Ressourcen wie Erdöl oder seltenen Erden, andere hingegen basieren auf nachwachsenden Rohstoffen, wie Holz oder anderen Pflanzen.


Die bewusste Wahl der Baumaterialien macht Gebäude zweifellos nachhaltiger.

Aber auch die fortschreitende Ausdehnung der Fläche für die Bereiche Wohnen, Arbeiten und Freizeit, werden miteinberechnet, da sich diese auf die Siedlungsstruktur, die Mobilität und den Rohstoffbedarf auswirkt.


Konkret heisst das, dass selbst in einem Niedrigenergie-Neubau jeder Quadratmeter Nutzfläche mit 40 bis 50 Kilowattstunden grauer Energie pro Jahr zu Buche schlägt. Dies ist mehr als durchschnittlich für Heizung und Warmwasser im gleichen Zeitraum verbraucht wird.



Was kann man also tun, um wirklich nachhaltig zu bauen?


Hier sollte man sich am Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) orientieren. Dieser ist vom Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS), einem Zusammenschluss von Unternehmen, Branchenverbänden, Forschungsinstituten und Kantonen, Gemeinden und Ämtern erstellt worden und soll eine Orientierungshilfe für Bauherrschaften und Investoren sein.


Der Standard bewertet Bauwerke anhand von 44 Kriterien. Hier spielen Aspekte wie die Ressourcenverfügbarkeit, graue Energie, Bauweise und Verwertbarkeit – und wenn es sich um städtebauliche Anliegen handelt, spielen auch Faktoren die die Erschliessung, regionale Wertschöpfungsketten, Flora und Fauna, das Mobilitätskonzept und soziale Themen eine grosse Rolle. Nur mit dieser breiten Betrachtung ist es möglich, die Nachhaltigkeit eines Bauwerks wirklichkeitsnah zu erfassen. Manche Kriterien können hier auch miteinander in Konkurrenz stehen und sich sogar widersprechen. Denn baut man beispielsweise eine dicke Gebäudehülle, muss mehr Material verbaut werden, was wiederum den Anteil der grauen Energie erhöht. Das Gebäude hat dann aber eine bessere Wärmeisolierung. Dies macht nachhaltiges Bauen zur komplexen Angelegenheit.


Der SNBS hat in den drei Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt definiert, wann ein Gebäude nachhaltig ist:


Ein Gebäude ist nachhaltig, wenn…

Gesellschaft

Wirtschaft

Umwelt

KONTEXT UND ARCHITEKTUR … es im Kontext mit dem Ort steht und sein Umfeld berücksichtigt.

KOSTEN … die Kosten über die «Lebensdauer» betrachtet optimiert sind.

ENERGIE … mit einem Minimum an erneuerbaren Energien auskommt.

PLANUNG UND ZIELGRUPPE … die Bedürfnisse der Anspruchsgruppen miteinbezieht.

HANDELBARKEIT … seine Handelbarkeit zu jeder Zeit sichergestellt ist.

KLIMA … es minimale Treibhausemissionen verursacht.

NUTZUNG UND GESTALTUNG … es angemessene Gebrauchs- und Nutzungsqualitäten aufweist.

ERTRAGSPOTENZIAL … das Ertragspotenzial in einem angemessenen Verhältnis zu seinen Kosten steht.

RESSOURCEN- UND UMWELTSCHONUNG … der Bau und der Betrieb ressourcen- und umweltschonend erfolgen.

WOHLBEFINDEN UND GESUNDHEIT … es einen guten Komfort und exzellente Raumluftqualität sicherstellt.

ÖKONOMIE … es in einen positiven regionalökonomischen Beitrag liefert.

NATUR UND LANDSCHAFT … Natur und Landschaft nicht negativ beeinträchtigt werden.

(Quelle: https://www.nnbs.ch/documents/864304/891643/SNBS_d_Broschuere_Einzelseite.pdf)


Seit 2016 kann man Gebäude auch SNBS zertifizieren. Davon haben bisher zwar noch nicht viele Bauherrschaften Gebrauch gemacht. Langfristig wird sich dies aber wohl ändern, da ein Nachhaltigkeitszertifikate die Marktfähigkeit von Objekten verbessert.

Sie planen einen Neubau und möchten nachhaltig bauen? Weitere Infos bekommen Sie auf der Seite des Netzwerks Nachhaltiges Bauen Schweiz (https://www.nnbs.ch/).



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